...Standfiguren oder Lebende Statuen findet man seit Jahrzehnten auf belebten Plaetzen in aller Welt. Diese sind meist ausgestattet mit einem Hut oder einer Blechbuechse, in die die Passanten ihren "Taler" werfen und so die Figur für einen kurzen Moment in Lebendigkeit versetzen. Es gibt Frankensteine, die in einer Kiste sitzen, Kolumbusse, die ganz in Gold eine Kugel halten, Silberfiguren, die Roboterbewegungen ausfuehren, Engel in Weiß, Teufel in Schwarz, Kamera-maenner, Waschfrauen… Eigentlich gibt es nichts, was es nicht gibt.

Ich habe selbst lange verschiedene Plaetze in verschie-denen Laendern gegen den sogenannten "Taler im Hut" bespielt.
Dabei erlebte ich manchmal unglaubliche Geschichten und sammelte meine persoenlichen Erfahrungen.

Wenn ich auf die Frage antworten sollte, was denn so besonderes an Lebenden Statuen ist, dann faellt mir folgendes ein: Es gibt immer wieder den Moment, da die Passanten irritiert sind und die Frage stellen, ob die Figur denn echt sei oder nicht - vorausgesetzt der Spieler ist gut.

Entgegengesetzt dem Entertainment per Wort wird eine solche Statue irgendwann für das Publikum zum Medium. Menschen verharren einen Augenblick und beginnen zu reflektieren, zu träumen, nachzuspüren und mit sich selbst in Dialog zu treten. Der Zuschauer wird aktiv. Die Figur tritt in den Hindergrund. Sie wird zu einem kuenstlerischem Objekt, das inspiriert, zur Diskussion und Auseinandersetzung auffordert. Wie aus der bildenden Kunst innerhalb der Malerei und Bildhauerei bekannt. Das Kunstobjekt wird lebendig und tritt in die Alltagswelt der Menschen. In Deutschland gibt es hierfuer keine Kunstgattung. Ich nenne es daher "Dastehende Kunst".

Ein weiteres Phaenomen zeigt sich auf Events, Veranstaltungen, zu denen die Menschen geladen werden und sich meist mehr oder weniger kennen. Als Eyecatcher bietet die Figur eine optimale Orientierung und raeumliche Leitung. Und ist gleichzeitig Anlass miteinander unverbindlich in Kommunikation zu treten. Da werden Fragen gestellt, Behauptungen kreiert, Spaesse gemacht, Sprachbarrieren mimisch ueberwunden, Vergleiche entworfen und natuerlich hat man die Figur bereits irgendwo einmal gesehen... war es auf Mallorca, oder in Venedig? Oder in Florenz, den niederlaendischen Antillen, Rio, Mexico Stadt...

Waehrend der letzten Jahre entwickelte ich mehrere Figuren denen allen bestimmte kuenstlerische Konzeptionen zu Grunde liegen. Viel Vergnuegen.